Unser Wappen
„Unter Schildhaupt mit den bayerischen Rauten in Silber ein schwarzer Schiffshaken, der unten mit einem gekürzten goldenen Balken überdeckt ist.“
Der Schiffshaken symbolisiert die einst bedeutende Schifffahrt auf dem Inn, die für die Region prägend war. Der gekürzte goldene Balken repräsentiert den Markt als zentralen Umschlagplatz für Getreidehandel. Die bayerischen Rauten verweisen auf die historische Zugehörigkeit des Ortes zum Herzogtum Bayern.
Dieses Wappen wurde am 12. Mai 1447 von Herzog Ludwig dem Reichen von Niederbayern verliehen.
Wie unser Markt-Wappen ursprünglich aussah

Nach langem Suchen konnte der Autor nun im Staatsarchiv München eine detailgetreue Abschrift des Marktler Wappenverleihungsbriefs vom 12. Mai 1477 finden. Sie zeigt uns zum ersten Mal, wie das Marktler Wappen ursprünglich ausgesehen hat.
Bisher waren nur verkürzte Abschriften des reinen Textes der Wappen-verleihungsurkunde aus späterer Zeit bekannt, immer ohne Darstellung des Wappens. So hatte der Amtskammerer im Jahr 1656 beim Kurfürsten in München um Übersendung einer Abschrift des Wappenverleihungsbriefs gebeten, da der Original- Brief nebst anderen wichtigen Urkunden bei den Schwedeneinfällen 1632 und 1648 während des Dreißigjährigen Krieges verloren gegangen ist. Darauf bekam er nur den Text des Briefes zugeschickt, sogar mit falschem Ausstellungsdatum. In späteren Abschriften aller wichtigen Urkunden ist auch nur der reine Text aufgeführt.

Der Originaltext von 1477 lautet:
„Wir, Ludwig von Gottes Gnaden Pfalzgrave bei Rein, Herzog in Nidern und
Obern Bayrn bekhennen mit disem brieve, daß wir von diemüetiger Bite wegen, unser Getreuen, der Vierer und der Gemainde unsres Marckhts zum Märckhtlein, erlaubt haben ain Zaichen, nemblich einen schwarzen Scheffhackhn und under dem Hagkhn an dem Stamb, nach der Zwirch ainen Strich, als ain Khreyz und zu under ist ain Spizl daran, alß daß in der mitt des gegenwirttigen unsers briefs, gemalt und ausgestrichen ist. Als daß sy das benannte Zaichen nun füren, doch nicht lenger dann biß auf unser widerrueffn gebrauchen, Ir Thraidtmaß, Wollen und Leinen Tuech, auch Trinkhmaß damit brennen und bezaichen mögen, doch daß das Getraidmaß, dem Maß zu Wurmansquickh in allweg gleich gemacht und gehalten werde. Wir wöllen auch all offt sich das mit dem Traidmaß zum Märkhtlein, begibt und Not thuen würdet, zu anschütten oder zu eichn, daß sy hiefür allweg dieselben Ir Traidtmaß gleich nach unserem Khastenmaß zu Wurmansquickh anschütten und eichen lassen und darnach mit dem vorbenanten Zaichen, so sy von uns wie obgemelt ist, erworben haben, brennen lassen. Auch mit der Eln und Drinkhmaß nach billichen und dingen halten sollen. Alles getreulich und ungeverlich, wo aber daß nit recht und geverlich erfundten würde, darin sol uns oder unsern Erben die Straff nach Gestalt der Verhandlung vorbehalten sein.
Zu Urkhundt haben wir unser Secrete an den brieve thain hängen, der geben ist zu Burckhausen an Montag nach Sontag vocem jucunditatis nach Christi unsers lieben Herrn Geburde, vierzehnhundert und im siben und sybenzigsten Jarren.“
Deutlich zu sehen im Wappen von 1477 ist „der Strich nach der Zwirch, als ein Khreyz ist“. Im heute gültigen Wappen ist dieser „Strich“ rechtwinklig zum Schiffshaken und in goldener Farbe dargestellt. Das gesamte „Zeichen“ (mit Schiffshaken, „Strich nach der Zwirch und zu under ein Spizl“) war in schwarzer Farbe auf blaßem (weiß ist in der Heraldik silbern) Hintergrund gemalt. Die weißblauen Rauten als Symbol der Zugehörigkeit zum Herzogtum Bayern seit 1386 erscheinen erstmals bei Philipp Apian im Jahr 1562. Was der „Strich“ nun genau symbolisiert, ist weiterhin unklar: Entweder ein hölzernes Streichbrett für den gestrichenen Metzen (Getreidehohlmaß) oder ein hölzernes Längenmaß (Elle), oder laut Andreas Schmeller für einen Strich, also ein kleineres Getreide-Maß für einen halben Metzen. Jedenfalls stand der „Strich“ damals für den Handel mit Getreide und Tuch aus Wolle und Leinen.
Marktl, einzige Gemeinde im Landkreis mit fürstlichem Wappenbrief
Im gesamten Landkreis Altötting ist damit Marktl die einzige Gemeinde, die einen fürstlichen Wappenbrief erhalten hat, da die Städte Burghausen und Neuötting keinen Wappenbrief vorweisen können. Auch in ganz Oberbayern gehört Marktl zu den ganz wenigen Kommunen, die sich auf eine fürstliche Wappenverleihung berufen können. Darauf kann die ganze Marktgemeinde stolz sein!
Quellen: Staatsarchiv München, Regierung Burghausen 3211,
Oettinger Land 2018 S. 204 ff.
Verfasser: Georg Remmelberger